„Ozempic-Face”: Warum sich die Haut beim Abnehmen verändert – und was hilft
Ein fachärztlicher Ratgeber von Dr. med. Amir S. Naderi, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie
Der Begriff „Ozempic-Face” geistert durch Medien und soziale Netzwerke und verunsichert viele, die über eine Abnehmspritze nachdenken. Gemeint ist ein eingefallenes, gealtert wirkendes Gesicht nach deutlicher Gewichtsabnahme. Wichtig zur Einordnung gleich vorweg: Das ist kein spezieller Effekt von Semaglutid oder Tirzepatid, sondern eine Folge des Gewichtsverlusts selbst – er würde bei jeder erfolgreichen Abnahme in ähnlichem Ausmaß auftreten. Und das Beste: Man kann viel dagegen tun.
Was steckt hinter dem „Ozempic-Face”?
Unser Gesicht bezieht einen Teil seiner jugendlichen Fülle aus kleinen Fettpolstern unter der Haut. Nimmt man rasch und deutlich ab, schrumpfen diese Polster – auch im Gesicht. Die Haut, die vorher gespannt war, hat nun weniger Volumen zu umschließen und kann dadurch schlaffer wirken, mit stärker sichtbaren Falten und eingefallenen Wangen. Derselbe Mechanismus betrifft auch andere Körperregionen. Kurz: Nicht das Medikament verändert die Haut, sondern der Verlust des darunterliegenden Fetts.
Wer ist stärker betroffen?
Wie ausgeprägt der Effekt ist, hängt von mehreren Faktoren ab: vom Lebensalter (die Hautelastizität nimmt mit den Jahren ab), von der Menge und Geschwindigkeit des Gewichtsverlusts, von genetischen Faktoren und vom Ausgangszustand der Haut. Je schneller und je mehr abgenommen wird, desto weniger Zeit hat die Haut, sich zurückzubilden.
Was hilft – die fachärztliche Perspektive
Genau hier zeigt sich, warum das Tempo und die Begleitung der Therapie so wichtig sind. Mehrere Ansätze können die Hautveränderungen deutlich abmildern:
- Moderates Tempo: Eine gleichmäßige, nicht überstürzte Gewichtsabnahme gibt der Haut Zeit, sich anzupassen. Die langsame Dosissteigerung der Abnehmspritze wirkt hier von sich aus günstig.
- Muskelmasse erhalten: Wer beim Abnehmen Muskulatur bewahrt, erhält auch mehr Volumen und Straffheit unter der Haut. Ausreichend Eiweiß und regelmäßiges Krafttraining sind deshalb zentral – dazu gleich mehr.
- Ausreichend trinken und gute Hautpflege: Eine gut mit Flüssigkeit versorgte Haut ist elastischer. Als Nephrologe weise ich ohnehin auf ausreichendes Trinken hin – es hat hier einen doppelten Nutzen.
- Geduld: Die Haut besitzt eine gewisse Fähigkeit, sich über Monate zurückzubilden. Der erste Eindruck direkt nach der Abnahme ist nicht der Endzustand.
Die richtige Einordnung: Gesundheit vor Kosmetik
Bei aller Aufmerksamkeit für das äußere Erscheinungsbild sollte eines nicht in den Hintergrund geraten: Eine erhebliche Gewichtsabnahme senkt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und viele weitere Erkrankungen. Der gesundheitliche Gewinn überwiegt die kosmetischen Begleiterscheinungen bei Weitem – und diese lassen sich, wie gezeigt, gut beeinflussen. In der Begleitung achte ich darauf, dass die Abnahme in einem gesunden Tempo und mit Erhalt der Muskulatur verläuft, sodass Sie sich am Ende nicht nur gesünder, sondern auch wohl in Ihrer Haut fühlen.
Fazit
Das „Ozempic-Face” ist keine geheimnisvolle Medikamentennebenwirkung, sondern die normale Folge eines deutlichen Fettverlusts – und mit einem moderaten Tempo, dem Erhalt der Muskelmasse und guter Hautpflege gut beherrschbar. Eine ärztlich begleitete Therapie hilft, genau diese Balance zu finden.
Wenn Sie eine begleitete, auf ein gesundes Tempo ausgelegte Therapie suchen, prüfen Sie hier unkompliziert Ihre Eignung oder vereinbaren Sie einen Termin. Wie Sie Ihre Muskulatur beim Abnehmen schützen, lesen Sie im Ratgeber Ernährung & Muskelerhalt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Welche Therapie und welches Tempo für Sie geeignet sind, kann erst nach einer individuellen Untersuchung mitgeteilt werden.
Quellen
- Wilding JPH et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP-1). New England Journal of Medicine, 2021.
- Fachinformationen Wegovy® (Semaglutid) und Mounjaro® (Tirzepatid).